A Midsummer Night`s Dream

Polen, Baltikum, Russisch Karelien, Murmansk, Finnland

Montag, 20.05.2019 Zum Mittsommer an den Polarkreis

 .......... und so haben wir uns entschieden die Hochzeitsfeier unseres Neffen Robert und seiner zukünftigen finnischen Frau Senni, mit einer Mittsommer Tour durch Nordeuropa zu verbinden.

Unsere Route führt uns durch Polen, die russische Enklave Kaliningrad, das Baltikum, russisch Karelien, an das Eismeer bei Murmansk, Kirkenes und über Finnisch Karelien nach Helsinki und Karjalohja.

Dort werden wir dann am 29. Juni mit der alten und neuen Verwandtschaft und mit aufpolierten Motorradstiefeln eine grandiose finnische Hochzeit feiern.

Wir starten am 23. Mai und hoffen auf einen idealen Motorradsommer 2.0 , wie 2018 - warm und trocken.


 

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Donnerstag, 23.05.2019 Erlangen - Dessau - 100 Jahre BAUHAUS

Pünktlich um 10 Uhr am Donnerstag zeigt sich die Sonne und bei angenehmen Motorradwetter starten wir in Richtung Dessau. Für alle Zweifler und Ungläubigen - es funktioniert. 3 Köfferchen für 6 Wochen. 1 für Jürgen , 1 für mich und 1 für Accessoires.

 

Wobei ich zugeben muss, der Hochzeitsanzug und das kleine Schwarze wurden bereits von Roland auf dem Luftweg nach Helsinki transportiert und hängen nun von Bettina frisch aufgebügelt in Wölkers Kleiderschrank.

 

Wenn schon Jubiläum , dann schaun wir doch mal rein - ins BAUHAUS. 100 Jahre sind vergangen seit der Gründung der Hochschule für Gestaltung in Weimar. Doch Dessau ist die Stadt, mit der das BAUHAUS am stärksten verbunden ist. 1925 - 1932 war die Blütezeit der Kunst - Design - und Architekturschule mit den Meistern Gropius, Kandinsky , Klee und vielen anderen.In nur wenigen Jahren wurde das BAUHAUS ein Ort der Avantgarde, ein Anziehungspunkt für junge Leute aus der ganzen Welt.Die Stätten erlebten Phasen der Demokratie , der Diktatur, Krieg , Zerstörung und Wiederaufbau. Seit 1996 Weltkulturerbe der UNESCO.

Um 14 Uhr sind wir vor Ort in der Gropiusallee,                     gerade rechtzeitig für eine interessante Führung durch die Werkstätten und Gebäude der Stiftung Bauhaus.

   Jürgen auf Marcel BreuerDas Meisterhaus von Gropius

Das Direktorenhaus von Walter Gropius, 1925 geplant und zeitgleich gebaut mit drei Doppelhäusern für die Bauhausmeister und ihre Familien. Im Baukastenprinzip mit industriell vorgefertigten Teilen. Zu jener Zeit eine Revolution - heute Standard.

So viel Kultur ruft profane Bedürfnisse wie Hunger und Durst hervor. Das Dessauer Brauhaus befriedigt beides auf hohem Niveau und in einem Antibauhaus Ambiente. Gemütlich eben !

 

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Freitag, 24.05.2019 Dessau - Stettin

Durch das Havelland und die Uckermark fahren wir nach Polen. Liebevoll ausgedrückt würde man sagen "beschaulich" ist die Landschaft , "bescheiden" sind die Dörfer. Irgendwie vergessen vom Fortschritt. Trotzdem hat es ein Mädel aus der Uckermark geschafft und macht seit 14 Jahren Weltpolitik. Angela Merkel ist zwar in Hamburg geboren, hat aber ihre Kindheit, seit sie 3 Jahre alt war,  und ihre Schulzeit in Templin verbracht. Ein Grund dort eine Kaffeepause einzulegen.

  

Freitagsmarkt in Templin und eine friedliche, überschaubare Klimaschutzdemo vor dem Rathaus. 

Kurz nach Prenzlau reisen wir ein nach Polen. Offene Grenze, aber Schluss mit dem Euro. Zloty sind gefragt und das Preisniveau sinkt erheblich. 20% beim ersten Tankstop.

Und schon geht es los mit den Zungenbrechern , den unaussprechlichen Namen der polnischen Städte.

  

SZCZECIN - vormals STETTIN , die Stadt an der Oder. Bekannt für das Schloß der Pommerschen Herzöge und der Jakobskathedrale mit ihrem "Triptychon". SZCZECIN war 100 Jahre lang von den Schweden und kurzzeitig von Napoleon besetzt, bevor es nach dem Wiener Kongress wieder Festungsstadt des Preußischen Kaiserreiches wurde.

1943 wurde die Stadt durch Luftangriffe der Alliierten und 1945 durch Straßenkämpfe gegen die Rote Armee komplett zerstört. Heute heißt es : Stettin ist GRÜN und BLAU. Mehr als die Hälfte der Stadtfläche wird von Parks und Wasser bedeckt.

Kulinarisch wird es polnisch - deftig. Mächtige Suppen , Eintöpfe und ....... PIROGGEN. In allen Variationen, ob süß oder mit Gemüse, Kraut, Pilzen und Fleisch gefüllt - das tägliche MUST HAVE einer Polenreise.

Und SCHMAND ! Ohne Schmand und saure Gurken als Beilage läuft nichts. Ein Vorgeschmack auf die russische Küche.

Wir machen einen informativen Stadtrundgang , 7 Kilometer , einer roten Spur auf dem Gehweg folgend, perfekt ausgeschildert und beschrieben, vorbei an den wichtigsten und schönsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. 

Nach 3 Stunden Fußmarsch die Belohnung. Ein Schlückchen STARKA! Der legendäre Kornwodka aus Szczecin. In unserem Fall 18 Jahre in Barrique gereift. Wer's mag .........

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Samstag, 25.05.2019 Stettin - Danzig

Auf dem Weg nach Danzig wählen wir die polnische "Outback" Route. 350 km Landstraße durch eine wunderschöne Naturlandschaft mit Seen, Sumpfgebieten und riesigen Blumenwiesen. Wenig Verkehr, einige Dörfer und das ein oder andere urige polnische Gasthaus. In unserem Fall besuchen wir ein solches gegen 10 Uhr zu einem kleinen Frühstück. 

Die Empfehlung der liebenswerten Bedienung klang eher wie ein Befehl, dem sich Jürgen aber in keinster Weise widersetzte. Für einen so großen, stattlichen Biker schien ihr das empfohlene Gericht wohl angemessen. Und so sah dann unser kleines Frühstück aus: Schnitzel mit Bratkartoffel und 3 Variationen Krautsalat , Piroggen mit Käse und Kartoffel gefüllt an Schmelzzwiebeln und Schmand. Mit dieser Grundlage schaffte Jürgen locker die restlichen 250 km nach GDANSK. 

Am späten Nachmittag erreichen wir die Stadt an der Danziger Bucht.

DANZIG , am südlichen Ostseeufer gelegen, ist die Seehauptstadt Polens. Eine tausend Jahre alte Hansestadt, das große wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Zentrum Polens. Das Symbol für Freiheit und Gerechtigkeit . Hier entstand die erste unabhängige Gewerkschaft "SOLIDARNOSC". Der Streik der Werftarbeiter, der DANZIGER AUGUST 80 gilt als Anfang des Zerfalles der Nachkriegsordnung, der Beginn des Sturzes des Kommunismus und der Neuschreibung der politischen Landkarte Europas. Die Danziger Werftarbeiter stellten sich damals gegen eine der größten Mächte der Welt , die Sowjetunion. 1989 gewann LECH WALESA die ersten freien Parlamentswahlen und wurde erster Staatspräsident der Republik Polen.

Wir bleiben hier 2 Tage um Danzig zu erkunden. Ein erster Abendspaziergang - und wir sind schon jetzt begeistert von der Atmosphäre dieser Stadt.

   GDANSK Free WI -FI ermöglicht uns eine digitale Stadtführung per Smartphone. Informativ und perfekt aufbereitet, führt uns die App durch die Stadt. Jede Sehenswürdigkeit wird umfangreich erklärt und beschrieben. Wir können unser eigenes Tempo bestimmen, Pausen einlegen, verweilen, wie es uns gefällt. 

   

Die Marienkirche, Hauptpfarrkirche der Stadt Danzig, gehört zu den größten Gotteshäusern Europas und bietet Platz für 25000 Menschen. Die berühmte astronomische Uhr , ein Kunstwerk des aus Nürnberg stammenden Uhrmachers Hans Düringer aus dem Jahr 1470. 

 

Der Artushof mit dem berühmten  Kachelofen.

Das Kranentor.                                       Das Hohe Tor.

 

Das Rathaus der Rechtsstadt.               Der Artushof.

  

                                                                      Die Philharmonie.

 

Günter Grass, ein Sohn der Stadt, wird mit diesem Monument gewürdigt. 

Ein besonderes Erlebnis ist die Fahrt mit der Fähre durch die Hafenanlagen zur Westerplatte. Diese Halbinsel in der Danziger Bucht hat das unrühmliche Schicksal , der offizielle Ort für den Beginn des 2. Weltkrieges zu sein. Am 1. September 1939 begann das deutsche Schlachtschiff "Schleswig Holstein" unter dem Vorwand eines Freundschaftsbesuches, das Bombardement und die Invasion Polens. Der 2. Weltkrieg war entzündet. Für die Polen ist die Westerplatte und das 1966 dort errichtete Denkmal das Symbol des Widerstandes gegen Nazideutschland.

 "Beer Tasting" an der Promenade. 

Und für mich - statt Bernsteinkette , spendiert Jürgen ein Gläschen Danziger Goldwasser. 

Obwohl wir erst 3 Tage unterwegs sind und wir sicher noch einiges sehen und erleben werden, wird Danzig ein Highlight unserer Reise sein und bleiben.

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Montag, 27.05.2019 Danzig - Kaliningrad

Der Himmel über Danzig weint zum Abschied. Doch der Regen hält nicht lange an und wir erreichen den Grenzübergang in die "Russian Federation" mit trockenen Reifen.

 

Der Weg dorthin ist einsam. Warum nur will keiner nach Kaliningrad ?????

Die Grenz - und Zollbeamten sind freundlich und betreuen uns wie VIPs. Nur beim Formular ausfüllen verstehen sie keinen Spaß. Verschreiben und durchstreichen ? Keine Chance ! Neu schreiben und mindestens in zweifacher Ausführung.

 

Der erste Tankstop wird zum freudigen Ereignis. 68 Cent der Liter ! Wann war das bei uns das letzte Mal so? 

"Little Russia" ! Auch wenn das Wort "little" die Sache scheinbar verharmlost , es ist Fakt , ohne Russisch läuft nichts in Kaliningrad , vormals Königsberg. Die Schrift ist kyrillisch und die Sprache russisch. In weiser Voraussicht habe ich vor ein paar Monaten begonnen mir zumindest die kyrillischen Buchstaben etwas anzueignen. Mein Lernziel war nicht etwa Russisch zu sprechen oder zu verstehen , sondern lediglich Wegweiser, Schilder und Namen lesen und interpretieren zu können. Für alles andere gibt es GOOGLE.

Auch Jürgen hat sich zwei überlebenswichtige Schriftzüge eingeprägt :

 

                  RESTAURANT                          und für alle Fälle .......... 

Die bewegte Geschichte der russischen Exklave ist ja hinreichend bekannt.1946 wurde das in Schutt und Asche gelegte Königsberg umbenannt in Kaliningrad , zu Ehren des Herrn MIKHAIL KALININ , einem der brutalsten Handlanger Stalins. Er vollführte die ethnische Säuberungskampagne und die Vertreibung und Deportation der dort ansässigen Deutschen. Durch Ölfunde vor der Küste und durch einen speziellen wirtschaftlichen Status hat sich die Region nach 1990 wirtschaftlich sehr gut entwickelt. Russlands westlichste Großstadt liegt weit entfernt vom Mutterland , dafür mitten in Europa. 50 km nach Polen und nach 120 km erreicht man Litauen. 2016 hat Polen den "kleinen" visafreien Grenzverkehr aufgekündigt. Seitdem heißt es wieder : Visum für alle und jeden in beide Richtungen.

Kaliningrad macht mit seiner deutschen Vergangenheit ein prima Geschäft. Das Wort "KÖNIG" , bezogen auf den ehemaligen Namen der Stadt, verkauft sich sehr gut. Es gibt den "Königsberger Express", ein Bäcker wird zum König erhoben und so ziemlich alles was sich verkaufen läßt wird mit dem königlichen Namen versehen. Auch Immanuel Kant, der wohl bekannteste Sohn der Stadt, der so manchem deutschen Schüler das Leben schwer machte, muß mit seinem Namen für eine Supermarktkette herhalten.

     

Noch fahrbereit und im Einsatz, die deutsche Schmalspurstrassenbahn.

Ein Spaziergang zur Kant Insel beschert uns einen ersten Eindruck. Das frühere historische Zentrum liegt heute abseits der modernen City. In der Mitte des Flusses Pregel gelegen, befand sich vor Jahrhunderten eine ganze Stadt mit 40 Straßen, hunderten von Häusern, ein Rathaus und die berühmte gotische Kathedrale. Sie überlebte als einziges Gebäude die Bombardierungen des 2. Weltkrieges.

Der Name Kant Insel kommt nicht von ungefähr. An der Seitenwänden der Kathedrale befindet sich das Grab von Immanuel KANT. Der große Denker und Philosoph wurde in Königsberg geboren, er hat hier an der Albertina Universität studiert und gelehrt und wurde zu Sowjetzeiten von den Kommunisten hoch verehrt. 

Die Kathedrale wird mittlerweile als Konzerthalle benutzt. Wir hören ein Orgelkonzert von Bach, um 14 Uhr am Nachmittag, bei vollbesetzter Kirche. Beeindruckend !

Kaliningrad ist eine grüne Stadt. Parks, Grünflächen und Seen . Unzählige Promenaden mit Kastanienalleen am Fluss und entlang der Kanäle.

   

Der Hummer ist zwar erschrocken als er uns erblickte, doch er hat überlebt. Im feinen Fischlokal FISH CLUB am Fluss, in extravagantem, fast skurrilem Ambiente , beenden wir den Rundgang mit Jakobsmuscheln und Hering.

Der nächste Tag ist regnerisch und wir sind froh dass es für uns kein Fahrtag ist. Es gibt noch viel zu sehen in Kaliningrad. Um alles zu erkunden haben wir GREGOR. Ein Einheimischer mit einem unglaublichen Wissen was die Geschichte der Stadt angeht. Mit seinem Auto fährt er uns zu den wichtigsten Stationen des alten Königsberg - vielmehr was davon noch übrig geblieben ist. Kaliningrad ist in einer Beziehung einmalig : Es besitzt Stadtteile mit deutschen Häusern aus der Gründerzeit, kolossale, hässliche Gebäude aus der Sowjetzeit und moderne russische Architektur. Alles friedlich vereint nebeneinander.

Im Hafen, als Museumsschiff degradiert, das letzte existierende Schiff der kosmischen Flotte : Die KOSMONAUT VIKTOR PATSAEV. Es erinnert an die Sojus 11 Mission 1971, bei der besagter Kosmonaut durch einen plötzlichen Druckabfall in der Kabine ums Leben kam. Die Aufgabe des Schiffes bestand darin, die Kommunikation mit den Kosmonauten und die Bahnen von Satelliten zu kontrollieren und die Daten zum Flugleitzentrum zu übertragen. 

Beeindruckend, aber auch bedrückend ist der Besuch eines der 12 Forts, die den Festungsring um die Stadt bildeten. 2 davon sind heute zugänglich und mit Fotos und Zeitdokumenten touristisch aufgearbeitet. Sie wurden 1872 erbaut von französischen Kriegsgefangenen aus dem Deutsch - Französischem Krieg. In Preußen war Königsberg die stärkste Festung und die größte Garnison. 

  

Doch im August 1944 verglühte die Stadt bei 2 Luftangriffen der Briten im Feuerball der Phosphorbomben.

Es gäbe noch viel zu erzählen über die russische Enklave , aber Jürgen möchte heute noch sämtliche Königsberger Spezialitäten versuchen. Von den Klopsen über den baltischen Aal bis zum Ostsee Hering. Auch das gehört zur Kultur eines Landes. Es wird eine Herausforderung! 

Morgen, bei angeblich strahlendem Sonnenschein geht es weiter nach Osten, aber zurück in die EU, über die Kurische Nehrung nach Litauen. 

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Donnerstag, 30.05.2019 Kaliningrad - Kurische Nehrung - Nida

Zum Frühstück machen wir noch einen Abstecher in das russische Ostseebad Selenogradsk. Ungewohnt stürmisch und wild präsentiert sich die Ostsee. Auf der Promenade sind einige Urlauber in Daunenjacken und Mützen unterwegs. Die Saison hat noch nicht begonnen. Es ist einfach zu kühl.

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Sofort nach dem hübschen Badeort beginnt die Kurische Nehrung - russischer Teil.

Hier sagen sich die Füchse Gute Nacht. Siehe oben. Erkennt ihr ihn?

Auf Satellitenbildern ist sie nur ein Strich vor der litauischen Küstee : DIE KURISCHE NEHRUNG oder auch als SAHARA des Nordens oder Litauische Sahara bezeichnet.

   

98km lang, davon gehören 52km zu Russland, 46km zu Litauen. An der schmalsten Stelle nur 380m breit. Für uns bedeutet dies : Ausreise und  Wiedereinreise in die EU mit allen Grenz - und Zollformalitäten. Diesmal mitten in der Ostsee. Das gilt zwar auch für Fußgänger - jedoch scheint mir die Grenze für Zwei - und Vierbeiner im Gegensatz zu uns motorisierten Grenzgängern nicht unüberwindbar.

Die SCHÖNE RIESIN NERINGA. Abseits der geologischen Erklärung über die Entstehung dieser Landzunge, hält die litauische Sagenwelt eine ganz andere Version bereit. Die Sage von der Riesin mit langem blonden Haar, die in ihrer Schürze Sand sammelte und ihn zum Schutz der Fischer und Küstenbewohner vor den hohen Wellen der Ostsee zu einem Schutzwall vor der Küste aufschüttete.

 

Der zweite Tag auf der Nehrung bietet traumhaftes Wetter und wir satteln um auf "Eigenantrieb".

Von dem Hauptort Nida radeln wir die Nehrung rauf und runter, vorbei an herausgeputzten renovierten Fischerhäuschen mit liebevoll gehegten Gärten. Überhaupt bereitet sich Nida momentan auf die Saison vor. Überall wird gehämmert, gestrichen und repariert. Im Juli und August tanzt hier der Bär.

   

Thomas Mann ließ sich hier in bester Lage ein Sommerhaus bauen und verbrachte seine Urlaube hier mit Blick auf das ruhige Haff und das Memeldelta. Er nannte es seinen "Rivierablick".

Auf der Ostseeseite fahren wir vorbei an ewigen Sandstränden. Sie wurden 2002 mit der blauen Flagge für hervorragende Wasserqualität ausgezeichnet. Selbst in der absoluten Hochsaison findet man hier sicher noch ein ruhiges Plätzchen.

Doch nun zu dem was jeder mit der Kurischen Nehrung verbindet. DÜNEN - der größte Sandkasten Europas , oder auch die Litauische Sahara genannt. Die Höhe der Sandberge verändert sich ständig. Momentan sind es 67m bei der Sklandytoju (Gleiterdüne) und 57m bei der Parnidder Düne. Letztere kann man bequem auf 178 Hozstufen hinaufsteigen. Oben erwartet uns ein unwirklich schönes Panorama. Der Blick reicht vom Haff, zur offenen Meerseite bis ins russische Kaliningrad.

    

Von hier blickt man auch in das Tal des Schweigens und das Tal des Totes. Tief unter dem Sand begraben liegen die ursprünglichen Siedlungen von Nida und der Pestfriedhof. Sie wurden im 17. Jahrhundert regelrecht vom Sand verschluckt. Der Grund war die Abholzung der Kiefernwälder durch die Bevölkerung. Der Sand hatte freie Bahn und wurde unkontrollierbar. Seit Jahrzehnten wird wieder mit Erfolg aufgeforstet. Doch es wird gemunkelt dass es zu viel des Guten sei und die Dünen sich nicht mehr erneuern können. Wie man's macht ......

 

Fingerfood litauisch: Räucherfisch von der Bude auf Papierteller und mit Fingern essen, das ist angesagt in Nida. Sieht schlicht aus, schmeckt aber hervorragend. Die Plastikgabel ist eigentlich ein "No go"!

   

Bernstein - woher auch immer - ist das Souvenir schlechthin und immer noch heiß begehrt. Beginnend in Danzig, über Kaliningrad bis hier zur Kurischen Nehrung verfolgen mich die Verkaufsstände und Geschäfte des OSTSEEGOLDES. Hier auf der Nehrung wurde im 19. Jahrhundert der größte archäologische Bernsteinschatz der Geschichte gefunden, mit Erzeugnissen aus dem Neolithikum. Die Sammlung wird in verschiedensten Museen weltweit ausgestellt. Für die Litauer ist Bernstein nicht nur Deko oder Schmuckstück. Durch die enthaltene Säure werden dem Stein auch gesundheitsförderliche Eigenschaften zugeschrieben. Öl, Pulver, Salbe, Tee uund Schnaps wirken von innen oder von außen. Und zu guter Letzt schützt er gegen das Böse, bringt Glück, inneren Frieden und Selbstvertrauen. In diesem Sinne - sollte die Ostsee einen kleinen Stein preisgeben - er passt noch in unser Gepäck. 

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Freitag, 31.05.2019 Nida - Klaipeda - Palanga

 Von der Nordspitze der Nehrung aus müssen wir heute die schmale Passage zwischen Haff und Ostsee mit der Fähre überqueren um wieder auf das litauische Festland zu gelangen.

WIr landen in KLAIPEDA, vormals MEMEL genannt, der drittgrößten Stadt Litauens und der einzige große eisfreie Hafen des Landes.Jeder der nicht über Kaliningrad auf die Kurische Nehrung reist, muss hier durch und übersetzen. Die Stadt ist quasi das Tor zur Kurischen Nehrung, da die meisten die Einreise über den Landweg von Kaliningrad scheuen wegen der russischen Visumpflicht und den Grenzformalitäten. Über die EU einzureisen ist natürlich wesentlich einfacher

Von hier fahren die riesigen Fährschiffe nach Kiel , Kopenhagen und Schweden. Da für Nachmittag Regen angesagt ist, fahren wir nur noch 30km bis Palanga, dem wichtigsten litauischen Seebad an der Ostseeküste. Der Bernstein-, Kur- und Badeort besitzt das größte Bernsteinmuseum Europas und kommt uns für einen verregneten Nachmittag gerade recht. 

 

Seit 1963 ist das Museum im ehemaligen Schloss des Grafen Tiskiewicz beherbergt. Er war ein Oberst der Zarenarmee, kaufte 1824 den gesamten Ort und ließ das imposante Schloss errichten und einen riesigen Park anlegen. Die Adeligen und wohlhabenden Bürger des Zarenreiches bauten Villen und Sommerresidenzen, Kurhäuser und Sanatorien und verbrachten hier den Sommer. Später, zu Sowjetzeiten, waren es natürlich reiche russische Bürger aus allen Teilen der Sowjetunion, die hier residierten und Urlaub machten.

Hier ein paar besondere Stücke der Sammlung.

 

Ansonsten führen alle Wege zwangsläufig zur Hauptstraße. Eine einzige Partymeile. 1 km lang,  führt sie schnurgerade zur Landungsbrücke an die Ostsee und zu einem breiten 10 km langen Sandstrand. Die Straße ist gesäumt von Restaurants , Fischräucherbuden und Geschäften. Im Sommer tummeln sich hier tausende von Menschen. Der Sonnenuntergang von der Landungsbrücke aus beobachtet soll umwerfend sein. Er fällt heute leider aus, mangels Sonne.

Die Wettervorhersage für die nächsten Tage ist perfekt. Wir freuen uns auf die Fahrt an der Ostseeküste entlang in den äußersten Nordwesten Lettlands und weiter nach Riga , wo uns angeblich 29 Grad erwarten. 

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Samstag, 01.06.2019 Palanga - Ventspils Lettland

 Wäre das Landesschild nicht gewesen, hätten wir die Grenzüberschreitung nach Lettland überhaupt nicht mitbekommen. Offene Grenzen - wir wissen es zu schätzen.

Wir bewegen uns nun im historischen KURLAND oder auf Lettisch KURZEME. KURLAND umfasst den Westteil des Landes um die Städte Liepaja und Ventspils, unserem heutigen Zielort. Kurland ist nach dem baltischen Volk der KUREN benannt. Die Geschichte dieses Volkes lässt sich bis in das 7. Jahrhundert zurückverfolgen. Sie besiedelten ursprünglich die gesamte Kurische Nehrung, das Festland am Kurischen Haff und Memelland. Doch Anfang des 13. Jahrhunderts wurden sie von den Schwertbrüder - und dem Deutschen Ritterorden gewaltsam unterworfen. Doch das ist eine andere, sehr lange Geschichte.

An einem idyllischem gelegenen Gasthaus treffen wir vier flotte "Wikinger" auf Geländemaschinen. Es sind Schweden die sich hier auf den "Gravel Roads" in Nordlettland austoben möchten. Sie zucken leicht zusammen als ich auf ihre Nachfrage unser Ziel mit Murmansk angebe, doch dann kommt sofort der Daumen hoch und sie knattern davon. 

Ventspils liegt sozusagen im "Wilden Westen" des Landes, ziemlich weit ab vom Schuss. Doch die wirtschaftliche Stärke ist der Hafen mit dem modernen Fährterminal. Sonst ein hübsches Städtchen mit imposanter Schwertritterordensburg, alte Holzhäuschen und einem kilometerlangen breiten Ostseestrand.

   

Jürgen ist hoch zufrieden mit dem Abendessen im SKRODERKROGS".

Und nun noch eine skurille Besonderheit der Stadt. Alle 10 Jahre findet als internationales Projekt der Kunst und des Mäzenatentums ( das ist der offizielle Titel) eine KUHPARADE statt. Sie ist angeblich die größte und erfolgreichste öffentliche Kunstveranstaltung der Welt. Es werden 24 Fiberglas-Kühe aufgestellt, die Künstler frei und schöpferisch bemalen und verzieren können. So entstehen die Exponate. Nach der Ausstellung gibt es eine Auktion, an der jeder teilnehmen und eine Kuh erwerben kann. Der Erlös geht an eine Stiftung. Natürlich sind einige Kühe in Ventspils "hängengeblieben" :

 So bleibt man im Gespräch im KURLAND.

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Sonntag, 02.06.2019 Ventspils - Riga

Wir nehmen nicht den direkten Weg nach Riga, sondern fahren die kleine Küstenstraße  entlang, zum Kap Kolka, dem nördlichsten Punkt Lettlands und der Ort an dem die "wilde" Ostsee in die ruhigen Gewässern der Bucht von Riga fließt. Die Gegend ist kaum besiedelt und trotzdem gibt es einiges zu sehen und zu erleben.

Hier ein paar Impressionen.

Eine Art "Steilküste" an der Ostsee. Nicht oft zu sehen.

Zwei riesige parabolische Radioteleskope richten sich gen Himmel. Das internationale Zentrum für Radioastronomie von Ventspils. Die Teleskope sind mit 32m Durchmesser die größten Nordeuropas. Heute dienen sie ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken und sind sogar zur Besichtigung freigegeben. Spannend wird es erst mit dem Wissen um ihre Geschichte. Die Sowjets erbauten die Station zu Spionagezwecken in gigantischem Ausmaß. Es war eine der wichtigsten Stationen in der Sowjetunion überhaupt. Doch gespenstisch wird es erst wenn man die zugehörigen, verlassenen und verfallenen Wohnblocks sieht. Damals arbeiteten und wohnten hier Hunderte von Technikern und Wissenschaftlern in geheimer Mission.

Eines der originellsten Dörfer Lettlands liegt hier am Meer. KOSRAGS, ein Dorf der Liven. Sie sind mit nur noch 230 Angehörigen ein nahezu ausgestorbenes Volk in Lettland. Sie sprechen heute Lettisch. Ihre ursprüngliche Sprache, das Livische, existiert nicht mehr. Das Ensemble von alten Holzhäusern ist zauberhaft. Jedes Haus ist bewohnt und hat keine Nummer, sondern einen Namen.

 

Sind das nicht zwei hübsche Häuschen? Da wird doch jegliches Bedürfnis zum Vergnügen.

 CROCODILE DUNDEE 

Wer kennt ihn nicht, die australische Legende vom Superhero? Das Denkmal eines Krokodils im Ort DUNDAGA im lettischen Kurland erinnert an den berühmt gewordenen Sohn der Stadt. Er wanderte nach dem 2. Weltkrieg nach Australien aus und machte sich als Jäger von Krokodilen einen Namen. DUNDEE ist nichts anderes als eine Ableitung von DUNDAGA. Doch trotz aller Erklärungen um seine Person und Herkunft weiß kein Mensch ob es ihn überhaupt je gegeben hat.

Das Kap, die nördlichste Spitze Lettlands. Man kann buchstäblich sehen, wie die Wellen des offenen Meeres und das ruhige Gewässer der Rigaer Bucht sich treffen. In diesem speziellen Abschnitt ist die Strömung der Ostsee äußerst gefährlich. Schwimmen verboten! Also lassen wir's und fahren gemütlich an der sicheren Bucht entlang in die Hauptstadt.

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Montag, 03.06.2019 Riga - die Hauptstadt

  

Es ist Sommer in Riga und wir nehmen uns 2 Tage Zeit für die Stadt. Denn im Gegensatz zu den Städten, die wir bis jetzt besucht haben, ist in Riga nicht nur die VECRIGA , wie die Altstadt genannt wird sehenswert. Sie ist nur EIN Höhepunkt eines Riga Besuches. Der ZWEITE sind die Straßen der Neustadt, in denen die prächtigen und imposanten Jugendstilgebäude mit den reich geschmückten Fassaden stehen. Diese Straßen erstrecken sich oft noch kilometerweit stadtauswärts. Riga ist also keines dieser "Schmuckkästchen" Städte, die letztlich nur im engsten Zentrum schön, darüberhinaus aber relativ unattraktiv sind.

Natürlich haben auch die Sowjets noch eine Marke hinterlassen. Schliesslich ist es erst ein Vierteljahrhundert her dass die Stadt wieder frei ist. Es leben viele Russen in der Stadt, ca. 45% sollen es sein und gilt Riga somit als die "russischte" Hauptstadt der EU. Russisch ist allgegenwärtig im Alltag. Selbst der Bürgermeister ist ethnischer Russe. Seit dem EU Beitritt 2004  konnte ein relativ guter Wohlstand geschaffen werden, trotzdem haben seither 250000 Letten das Land verlassen. Zu groß ist noch das Wohlstandsgefälle zu den alten EU Mitgliedern und der Wunsch nach MEHR. Die Russen in Lettland sehen das als ihre Chance. Es tun sich für Sie neue Möglichkeiten auf bezüglich Ausbildung, Arbeitsplätze und Wohnraum. Nur die Staatsbürgerschaft gewährt ihnen das postsowjetische Land nicht. 

 

Die Lettische Akademie der Wissenschaften - auch "Stalin's Geburtstagstorte" oder "Stalinkathedrale" genannt. Ein protziger Palast, der die Macht der stalinistischen sowjetischen Epoche verkörpern sollte. Heute höchste wissenschaftliche Institution Lettlands. 

Zu Wasser, zu Lande und zu Fuß sind die Optionen für eine Besichtigung der Stadt mit allen Bezirken. Wir starten mit  "Hop on - Hop off" und verschaffen uns erst mal einen Überblick. Dann geht es zu Fuß weiter von der Freiheitsstatue in der Neustadt bis zu den Markthallen am Fluss. 

 

Das Freiheitsdenkmal, Symbol der Unabhängigkeit Lettlands. Erinnert nicht nur zufällig an die Statue of Liberty von New York. Jeder hohe Staastsbesuch legt hier einen Kranz nieder.

Fotos aus der Altstadt ......

    

 

Die ROLANDSTATUE auf dem Rathausplatz. Mir war nicht bekannt dass mein Bruder schon zu Lebzeiten durch so ein imposantes Denkmal gewürdigt wird. Eine gewisse Ähnlichkeit ist unumstritten. Doch seine Seele ist doch eher "fränkisch" als "lettisch".

und aus der Neustadt .........

   

Nationaltheater                                      Nationalbibliothek

       

Die Bezeichnung Rigas als "Haupstadt des Jugendstils" hat seine Berechtigung. Hier befindet sich das größte einheitliche Ensemble überhaupt in diesem Stil.

   

Mittagspause in den Markthallen - die Fischhalle ist unser Favourit.

Ein Horror für jeden Vegetarier. Der Stör "japst" noch in der Theke. Ein Zeichen für Frische, aber andererseits .............

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Abendessen in bester Gesellschaft. Der knorrige DJ sorgt für die passende Musik. Überhaupt gibt es am Abend in der Altstadt viel zu sehen, zu hören, zu essen und zu trinken. Die Kneipen und Restaurants überbieten sich gegenseitig. An solchen schönen Sommerabenden kann so ein Abendessen schon mal bis zum Morgen dauern.

 

 

Zu Wasser findet unsere letzte Tour statt. Auf dem Stadtkanal wird es romantisch und vom Fluss Daugava aus gibt es Rigas "Waterfront" zu sehen.

       

Wie immer als Betthupferl einen Wodka "Russky Standard". NASTROVJE Brüderchen!

Morgen ist ein neuer Tag. Und - RIGA ist absolut eine ZWEITE Reise wert.

 

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Mittwoch, 05.06.2019 Riga - Cesis - Burgen und Festungen

Lettland ist das Land der Burgen, Festungen und Schlösser. Anfang des 13. Jahrhunderts kamen die germanischen Kreuzritter vom Schwertbrüderorden und brachten das Gebiet des heutigen Lettlands unter ihre Kontrolle. Sie bauten in jedem größeren Ort mächtige Festungen und Burgen, die heute noch vollständig, oder in Form von Ruinen erhalten und zu besichtigen sind.

 

Also,1 Burg muss es mindestens sein und wir nehmen natürlich die schönste und berühmteste im GAUJA Nationalpark nicht weit von Riga. TURAIDA heißt das Prachtstück und ist für Besucher mit Infos, Schautafeln und Führungen perfekt aufbereitet.

 

Die umfangreiche lettische Sagenwelt trägt zum Bekanntheitsgrad der Burg fast noch mehr bei als die Attraktion selbst. Die tragische Liebesgeschichte aus dem 17. Jahrhundert und die daraus entstandene  Legende "Die Rose von Turaida" kennt jedes Liebespaar im Land und das Grab der schönen Maija ist mittlerweile ein Wallfahrtsort für Jungvermählte. Der Schauplatz der grausigen Tat ist die Gutmannshöhle nahe der Burg. 

 

Kurz und schaurig ist die Legende : Schöne Maid liebt braven Mann. Böser Mann liebt schöne Maid. Schöne Maid muss sich  entscheiden - Tod oder Verlust der Unschuld. Wählt Tod durch Schwert vom bösen Mann. Braver Mann traurig. Böser Mann erhängt sich, auch tot.

Die sensiblere, unfangreiche Version gibt es bei Google. Mittlerweile soll es aber Beweise geben dass es zu dieser Zeit wirklich einen Mordprozess  gegeben hat und die ganze Legende doch ein Fünkchen Wahrheit besitzt.

Wir übernachten im kleinen Örtchen CESIS - natürlich auch mit Ordensburg - und genießen den ruhigen lettischen Feierabend auf dem Marktplatz. Nur der Treff einer aktiven Lauftruppe stört kurzzeitig Jürgen's Entspannung. 

 

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Donnerstag, 06.06.2019 Cesis - Pärnu Estland

Heute gibt es mal so richtige Urlaubsfotos. Bei 31 Grad verbringen wir einen Strandtag in Pärnu, dem beliebtesten Ostseebad Estlands. 

  

Als ich mich gerade in die Fluten stürzen will, erscheint mir etwas befremdlich dass die Leute nicht schwimmen, sondern im Wasser laufen. Endlos weit in die Ostsee hinaus spazieren sie teilweise mit Kleidchen und Täschchen. Die Wassertiefe beträgt im Höchstfall 30 cm und die Wassertemperatur hat  karibische Dimensionen. Jürgen könnte wahrscheinlich bis Riga laufen und das Wasser ginge ihm nur bis zum Nabel.

  

Die flache Bucht von Pärnu liegt nämlich in der geschützten Bucht von Riga. Die Ostsee erwärmt sich hier enorm schnell und eine erkennbare Tide gibt es nicht.  Das heißt es ist ein Paradies für Kinder und ihre Eltern und dafür ist der Strand auch ausgestattet.

   

 

Das Städtchen Pärnu ist ausgesprochen nett, mit einer hübschen Altstadt und vielen wunderschönen Holzhäusern und Villen. 

 

Wir "residieren" im Ranna Strandhotel. Architektonisch toll gemacht, angelehnt an die Optik eines Kreuzfahrtschiffes und das INTERIOR komplett im Art Deco Stil. Diesen Luxus gönnen wir uns bevor wir nächste Woche in die Taiga und Tundra Russlands verschwinden. Allerdings muss man sagen dass das Preisniveau eines Zimmers mit Meerblick und fantastischem Frühstück in etwa dem eines fränkischen Landhotels entspricht - gegebenenfalls auch billiger. 76 Euro für 2 PERSONEN !!!

 

 

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Freitag, 07.06.2019 Durch Estland

Estland, ist das kleinste der baltischen Länder. Von Pärnu im Westen bis zum Peipus See im Osten fährt man gerade mal 2 1/2 Stunden. 

Neben seiner wunderschönen Natur - 50% des Landes sind mit Wald bedeckt - hat Estland noch einige Besonderheiten zu bieten. Das Land hat pro Landfläche die meisten Meteoritenkrater auf der Welt. Estland besitzt die größte Sammlung von niedergeschriebenen   Volksliedern, 133 000 an der Zahl. Sie sind Weltmeister im Extremschaukeln, " Kiiking" genannt und sie sind Weltmeister im "Frauentragen". Die Erfindung dieser Sportart wird natürlich den Finnen zugeschrieben, aber die Besten sind die Esten.

 

Und dann noch das "e-Estonia" ! Das "e" steht für elektronisch. Estland ist eine digitale Gesellschaft. Es entstand eine erfolgreiche Leidenschaft für alles was vernetzt und digitalisiert ist. Schon 2005 wurden hier politische Abstimmungen Online erledigt. Alle Behördengänge sind abgeschafft. Man kann seinen Alltag ohne großen administrativen Aufwand bewältigen. Von der Steuer bis zum Ausweis geht alles digital. Und das wird nicht nur von den Jüngeren genutzt. Wir waren schon in Litauen und Lettland erstaunt über die digitalen Möglichkeiten, aber Estland ist unschlagbar in dieser Beziehung. Sogar in der idyllischsten Natur gibt es 4G Internetverbindungen. Estland hat den Zugang zum Internet als "Grundrecht" erklärt.

Auf dem Weg nach Osten übernachten wir in Tartu, der zweitgrößten  Stadt Estlands mit der ältesten und größten Universität.

 Unser Nachtlager: Die hölzerne Villa Margarethe.

Die Studenten prägen das Stadtbild und dementsprechend ist auch die Gastronomie und Kneipenszene. Üppig und vielseitig.

Ein Schlaraffenland der besonderen Art ist WERNER's. Süß oder sauer, man kann es nicht erkennen, nur schmecken! Die Entscheidungsfindung ist das größte Problem. Aber dann .....

  

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Samstag, 08.06.2019 Auf der "Zwiebelroute"

Wir fahren zum Ufer des PEIPUS SEES und befinden uns an der östlichen Aussengrenze der EU. Durch den See verläuft die estnisch - russische Grenze und somit auch die Ostgrenze von Europa. Am Ufer des riesigen Sees lebt eine außergewöhnliche Volksgruppe : Die "Altgläubigen". Es sind religiöse Flüchtlinge, die sich im 17. Jahrhundert  Änderungen der russisch orthodoxen Kirche widersetzten, sich von ihr lösten und hier in Estland einen Zufluchtsort fanden. 

Sie erkennen nur dieses besondere Kreuz an, bekreuzigen sich mit 2 gestreckten Fingern, sind aber sonst tolerant gegenüber anderen Religionsgemeinschaften.

Die Frauen  tragen lange schwarze Gewänder und ein buntes Kopftuch. Und - sie gestalten ihre heiligen Messen selbst. Es gibt keine Priester mehr.

Die Esten haben noch einen anderen Namen für diese Bevölkerungsgruppe: "Zwiebelrussen". Sie leben am Westufer, betreiben Fischfang und bauen Zwiebeln an. Deshalb auch der Name "Zwiebelroute" für die kilometerlangen Straßendörfer mit hübschen Holzhäuschen, Gemüsegärten und Zwiebelfeldern.

Aussergewöhnlich und stylisch ist die Deko in den Gärten und an den Häusern.

Der Straßenrand ist gesäumt von Fischräucherbuden. Frisch vom See, ab in die Räucherbude und auf den Pappteller. Köstlich! Wir leisten uns einen Zander .

 

Der Chef und die Chefin haben's drauf! 

Wir übernachten an der Küste bei Narva, keine 3 km von der russischen Grenze entfernt. Nach St Petersburg sind es knapp 170 km. Dort werden wir die nächsten 3 Tage verbringen.

Bevor der Rubel rollt,  genießen wir noch den baltischen Sonnenuntergang am Finnischen Meerbusen.

 

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Sonntag, 09.06.2019 Pfingstausflug nach St. Petersburg

Unser Pfingstausflug nach St. Petersburg gestaltete sich etwas anders als gedacht. Nach einer flotten Ausreise aus Estland und einer unkomplizierten Pass - und Zollkontrolle an der russischen Grenze, standen wir schon mit einem Reifen in Russland , die Schranke vor Augen und - NICHTS GING MEHR! Unsere sonst treue BMW machte keinen Mucks. Diagnose: Batteriekomplettausfall. In Zusammenarbeit von ADAC und dem Russischen Automobilclub wurden wir abgeholt, aufgeladen, festgezurrt und stressfrei 130 km nach St. Petersburg in die BMW Niederlassung transportiert. Mann höre und staune : Sonntag Abend um 21 Uhr war das Service - und das Verkaufspersonal anwesend, willig, freundlich, hilfsbereit und kompetent.

Und so verbrachten wir unsere erste "Weiße Nacht" in St. Petersburg.

 

 Vom zeitlichen Ablauf einer weißen Nacht konnten wir uns dank unserer späten Ankunft den Petersburgern exakt anpassen: Abendessen zwischen 23 und 24 Uhr, danach ein Drink, dann ein Spaziergang zum Fluss Neva zum Brückenspektakel um 1.10 Uhr. Bei klassischer Musik heben sich 13 Brücken nacheinander für 4 Stunden, damit die großen Schiffe passieren können. Die Stadt ist in dieser Zeit zweigeteilt. Ein unglaublicher Anblick. 

Wer auf der richtigen Seite der Brücke steht, so wie wir, der kann nach Hause gehen. All jene, die ihr Zuhause auf der anderen Brückenseite haben, müssen den Rest der Nacht unter den Brücken verbringen oder weit außerhalb der Stadt eine der großen Autobrücken nehmen. Das passiert Touristen allzu oft.  Um 5 Uhr früh werden die Teile wieder abgesenkt und sind passierbar.

Na dann GUTE NACHT , es war ein langer Tag, in jeglicher Beziehung. Um Mitternacht ist immer noch eine leichte Dämmerung und gegen 4 Uhr früh ist es schon wieder komplett hell.

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Dienstag, 11.06.2019 St. Petersburg

St. Petersburg, die russische "Diva", ist unsere letzte große kulturelle Herausforderung und soll ein Highlight unserer Tour werden. Dass dies auch so wird - dafür haben wir OLGA.

Olga ist 32, verheiratet, hat Germanistik studiert, lehrte an der Universität Petersburg Deutsch und hat vor 2 Jahren das staatliche Berufsleben beendet. Zu viel Bürokratie ! Sie machte eine Ausbildung als deutschsprachige Führerin für Petersburg und ist nun leidenschaftliche Vertreterin ihrer Stadt. Mit ihr und ihrem Fahrer Sergej verbrachten wir intensive 9 Stunden im Sommer - und Winterpalast außerhalb der Stadt. Olga hat ein unglaubliches Wissen und eine unnachahmliche Art dieses weiterzugeben. Keine Rezitation von Jahreszahlen und Zarensynastien, sondern Fakten, gemischt mit Geschichten, Anekdoten und mit Witz vorgetragen. Die Innenstadt erkundeten wir selbst, zu Fuß, mit dem Boot und "Lonely Planet". Viele von euch kennen die Stadt und ihre Geschichte, deshalb hier nur ein paar Fotos ohne Kommentar :

  

"Es muss nicht immer Kaviar sein", aber einmal im Leben in St. Petersburg sollte man schon.

Bei "Caviar Russia" fand die "Dégustation" statt, verbunden mit Video und Erklärungen über Arten, Herstellung etc. Und die Moral von der Geschicht - ein Hering tut's auch als Gericht! Übrigens alles Aquakultur. Mama Stör kam noch vom Kaspischen Meer, doch die Störkinder werden alle in großen Aquakulturen gezüchtet, wie Lachse eben auch. 

Wir hatten 3 traumhafte Tag in der Stadt "Peter des Großen" und seinen Nachfolgern und es ist offensichtlich, für sie war nur das Beste gut genug. Wir sind beeindruckt von dem hohen kulturellen Gut, der Stadtgeschichte und von der Atmosphäre. Unter dem Phänomen "Weiße Nächte" von St. Petersburg konnten wir uns nie so recht etwas vorstellen. Es ist eine tolle Erfahrung. Der Tag hat in etwa 19 Stunden, ganz dunkel wird es nie und das Licht in dieser Zeit und mit dieser einmaligen Kulisse ist magisch. Wir werden nicht müde, haben kein Bedürfnis schlafen zu gehen und das geht nicht nur uns so. Das Newa Ufer, die Parks, der Nevsky Prospekt , alles ist voller Menschen, die Straßencafés und Bars haben die ganze Nacht geöffnet und Straßenmusiker belegen und beleben die breiten Trottoirs. Es gibt Konzerte, Festivals und die Theater haben Hochsaison. Alles ist wie eine riesige Inszenierung. Und trotzdem scheint das normale Arbeitsleben am nächsten Tag ungehindert weiterzugehen. 

 So präsentiert sich St. Petersburg heute: 

 

  Historie, Kultur und LIfestyle. Eine faszinierende Stadt.

 

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Mittwoch, 12.06.2019 Von Petersburg nach Petrosavodsk Russisch Karelien

Unser Motorrad hat die "Weißen Nächte" im Depot der BMW Niederlassung verbracht und stellt sich jetzt wieder der Herausforderung. Die Reparatur kostet 47.- Euro. Dafür würde ein deutscher BMW Mechaniker wahrscheinlich nicht mal einen Schraubenschlüssel zücken. 

Wir verlassen St. Petersburg und fahren an der Südspitze des Ladoga Sees vorbei Richtung Petrosavodsk, der Hauptstadt von Russisch Karelien am Ufer des Onega Sees. 

200 km nach St. Petersburg kommen schon die ersten Warnschilder.

 

Weitere 100 km und wir sind in Russisch Karelien. Karelien ist ein geteiltes Land und erstreckt sich vom Ladoga See im Süden bis zum Polarkreis. Mitten durch die dünn besiedelte Gegend läuft eine 700 km lange Grenze: die zwischen Finnland und Russland. Karelien musste mehrere Teilungen erdulden. Der größte Teil liegt heute auf dem Gebiet der Russischen Föderation. Es gab eine Zeit da träumten die Finnen von einer Wiedervereinigung, doch laut einer Umfrage ist nur noch 1/3 der Finnen an der Rückgewinnung interessiert.

Und da ist er auch schon ........ völlig erstaunt über die vermeintlich leichte Beute, die ohne schützendes Blech drumherum durch Karelien reist.

Die Straße ist gut ausgebaut und nach 430 km erreichen wir Petrosavodsk am Abend. Wir übernachten direkt an der Promenade am Onega See. Und wieder sind wir fasziniert von der Stimmung dieses Abends, der zum Tag wird. Wir erleben eine "Kognitive Dissonanz" . Der Ausdruck ist nicht von mir, aber er soll sagen: Man weiß dass es Abend ist, aber man fühlt dass es nicht stimmen kann. Plötzlich ist es 3 Uhr am Morgen und der neue Tag, der gefühlt noch der alte ist, beginnt. Alles klar???????

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Donnerstag, 13.06.2019 Petrosavodsk

Petrosavodsk heißt übersetzt "Peter's Fabrik". "Peter der Große" ließ hier 1703 eine Waffenfabrik bauen um Russland für den Krieg gegen die Schweden zu rüsten. Heute ist es eine Universitätsstadt und das Tor zur KISHI INSEL. Von hier fahren die Tragflächenboote zur MuseumsInsel, die seit 1990 zum Weltkulturerbe gehört. Leider ist das Boot heute bis auf den letzten Platz besetzt und wir müssen unseren KISHI Besuch auf morgen verschieben. Somit steht ein Stadtrundgang an. Eine tolle Mischung ist hier zu sehen:

Herr LENIN guckt um die Ecke zum alten russischen Oberleitungsbus. DAS öffentliche Verkehrsmittel in der Stadt.

Neoklassizismus für "Kentucky Fried Chicken". Modernität für "Mac".

ä

Könnte auch bei "Edeka" und in den "Arcaden "Erlangens" sein.

 Karelische Holzhäuser die auf Nutzung warten. Imposante Holzschnitzarbeiten - käuflich.

  Die Universität.

Schwermütige Geigenklänge auf der Promenade - ein Zubrot fürs Studium. Jürgen hat üppig gespendet.

Ich würde mich auch schämen - mit diesem Outfit ..............

Karelische Piroggen - unsere tägliche Zwischenmahlzeit.

Und es wird wieder nicht dunkel ............. am Onega See.

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Freitag, 14.06.2019 Kischi - Kishi - Kizhi

Ich weiss nicht wie es kommt, aber wir haben den schönsten Tag überhaupt für unseren Ausflug auf die Insel KIZHI erwischt. Per Tragflügelboot geht es 70 km weit hinein in die Inselwelt des Onega Sees.

Auf dieser "Museumsinsel" sind 80 Gebäude der karelischen Holzbaukunst zu sehen, die seit 1990 zum Unesco Weltkulturerbe zählen. Die Gebäude stammen aus verschiedenen Jahrhunderten, das älteste aus dem 14. Jahrhundert und sie wurden aus ganz Karelien auf diese Insel transportiert und original wiederaufgebaut. Sie sollen geschützt und dem Publikum zugänglich gemacht werden. 

Das berühmteste Ensemble ist die Christus Verklärungskirche mit ihren 22 pyramidenartig ansteigenden Kuppeln, mit Erlenholzschindeln gedeckt. Alle Kirchenteile sind ohne einen einzigen Nagel zusammengefügt. Wir haben Glück, die Renovierungsarbeiten der Kuppeln sind abgeschlossen und wir können das Prunkstück ohne störendes Gerüst bewundern. Sie gilt als der kühnste erhaltene Holzbau Russlands, 1714 fertiggestellt von dem legendären Holzbaumeister "Nestor".

Insgesamt gibt es 60 historische Holzbauten auf KIZHI. Sie kamen von anderen Inseln. Blockhäuser kann man leicht auseinandernehmen und wieder aufbauen. Und so schuf man ein künstliches Reservat russischer Holzkultur. Bauernhäuser, Scheunen, Kapellen und Windmühlen - teilweise sogar mit "Innenleben".

Zurück in Petrosavodsk vergnügen wir uns noch auf der Promenade und genießen diesen milden karelischen Sommerabend.

 

Es ist unvorstellbar dass in ein paar Monaten der See total zugefroren sein wird und die Inselbewohner mit "Snowmobil" versorgt werden müssen. Bei diesen wunderbaren Temperaturen hier kann man glatt vergessen wie weit wir schon im Norden gelandet sind.

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Samstag, 15.06.2019 Durch Karelien's Wälder nach Kem und Murmansk

Dieses Foto entstand nachts um 3 Uhr , oder früh um 3 Uhr, egal. Und es sind immer noch, oder schon wieder Leute unterwegs.

Die nächsten 2 Tage durchqueren wir die legendäre Landschaft Kareliens. Die Lunge Europas wird sie auch genannt. Mehr als die Hälfte der Region ist von Taigawäldern bedeckt, der Rest ist Wasser. Über 60000 Seen und 27000 Flüsse sollen es sein. Und wir zweifeln nicht daran.

  

 Die Rasthäuser sehen nicht unbedingt einladend aus, aber die Fassade täuscht.

Eine hausgemachte Soljanka Suppe und nette Bekanntschaften machen jeden Stop zum Erlebnis. Der nette Biker kam gerade aus Murmansk und mit 6 Worten Englisch war die Verständigung ausreichend und alles erzählt : "3 weeks - Murmansk - snow - road bad" ! Was für ein Glück: "Today - sun - road good". Im allgemeinen sind die Russen äußerst zurückhaltend, freundlich aber reserviert. Sie würden nie auf die Idee kommen sich um das Motorrad zu versammeln, Selfies zu machen etc. , so wie es in anderen Ländern oft der Fall ist. Ein russischer Spruch (von Olga!) sagt. "Wer lächelt ist dumm - wer ohne Grund lächelt ist am dümmsten." Ich lächle weiterhin - ohne Grund .........

Auch die Aussendeko der Cafés ist speziell und die ausrangierten deutschen LKWs fahren hier noch munter durch die Gegend. 

Wir übernachten in Kem am "Weißen Meer" , mitten im Wald, schlicht aber sauber. Im angeschlossenen Restaurant der Unterkunft sind wir die einzigen Gäste. Die üppige russische Speisekarte erstaunt uns , doch von 20 Speisen sind 2 angekreuzt und die nette Bedienung macht uns klar "da" oder "da". Wir nehmen von jedem eins und es ist perfekt - einmal Fleisch und einmal Fisch. Generell muss ich sagen kommt man auch ohne russisch ganz gut zurecht. Es ist jedoch SEHR hilfreich dass ich zumindest Worte die in Deutsch gleichbedeutend sind lesen kann. Anfänglich habe ich buchstabiert wie ein Erstklässler, doch mittlerweile kann ich schon "en passant" Ortsschilder und Anweisungen lesen. Und so wichtige Worte wie Brot, Salz  und Bier haben wir schon drauf. Bei Wodka ist es am einfachsten - man tauscht nur das w gegen ein v und das russische d ergibt sich von alleine.

Jagen und Angeln ist die große Leidenschaft der Russen hier oben. Überhaupt ist das Outdoor Leben ein wichtiger Bestandteil jeglicher Freizeitgestaltung. Egal zu welcher Jahreszeit, bei welchen Temperaturen und bei welchem Wetter auch immer. Olga in Petersburg erklärte mir letzte Woche die russische Männerseele. Im Inneren schwermütig, melancholisch, sanft, nach außen stark, robust und mutig. Zum Beispiel auf Jagd in der Taiga würde er sagen : " Ach wie schön singt das Vögelein" und gleichzeitig schießt er einen dicken Bären oder einen fetten Elch und verspeist ihn.

So ging es wahrscheinlich auch diesem netten Bären, der nun ausgestopft und wehrlos mit mutigen deutschen Touristen posieren und kuscheln muss. 

Wir überqueren ohne es zu merken den Polarkreis und nähern uns unserem großen Ziel, aber nicht dem nördlichsten Punkt der Reise: Murmansk.

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Montag, 17.06.2019 Murmansk

 

Murmansk, "The Hero City" macht bei Sonnenschein und 16 Grad sogar einen fast lieblichen Eindruck ( auf den ersten Blick). Die Stadt ist jung, sie wurde erst 1916, aber noch zur Zarenzeit gegründet, liegt 500 km nördlich des Polarkreises auf der Halbinsel KOLA, hat einen eisfreien Hafen und war bis 1991 gesperrtes Gebiet. Im 2. Weltkrieg wurde sie durch die deutsche Luftwaffe total zerstört und danach in der typischen uninspirierten, stalinistischen Architektur wieder aufgebaut. Dies gibt der Stadt natürlich ihren unvergleichlichen "Charme"!!!!!!

An zwei monumentalen Sehenswürdigkeiten kommt in Murmansk niemand vorbei.

Die gigantische ALYOSHA Statue. Sie soll an die tapferen Soldaten und an die Verteidigung der Stadt vor der deutschen Wehrmacht erinnern. 

Die LENIN , heute ein Museumsschiff im Hafen von Murmansk, war der erste Atomeisbrecher der Welt. Er war von 1959 bis 1989 in Betrieb und wurde als Verkehrsmittel zum Freihalten der Nordostpassage, zu Forschungszwecken und zur Versorgung der Einwohner Nordsibiriens eingesetzt. Die Aussenhülle wurde durch den Eisabrieb zu dünn und so verbringt sie ihren Ruhestand im Hafen von Murmansk als Museum.

Aber nicht deshalb haben wir den weiten Weg hierher gemacht. Wir wollen ans Eismeer , an die Barentssee und in die Wildnis der KOLA Halbinsel. Dabei hilft uns MILA , eine junge Ukrainerin, die es als kleines Mädchen mit ihren Eltern hierher verschlagen hat. Der Vater ist Seemann und fand hier beste Arbeitsbedingungen. 

Das ist ein Foto von Mila, aufgenommen am 19. Mai, also vor 4 Wochen. Daneben der momentane Stand der Dinge in der Tundra von Kola. So ein Ausflug geht nur mit Allrad und braucht Zeit. Und so machen wir uns früh auf den Weg nach TERIBERKA, einem Fischerdorf am Arktischen Ozean. Mila ist wie alle die hier leben ein begeisterter Outdoor - und Naturmensch. Schlechtes Wetter oder Kälte gibt es nicht. Im Gegenteil, sie schwärmt regelrecht vom Winter in Murmansk. Sie kennt die Wildnis von Kola und zeigt uns in der kurzen Zeit die schönsten und die aufregendsten Stellen der nördlichen Halbinsel. 

TUNDRA  so weit das Auge reicht. Man nennt sie auch "Kältesteppe". Sie ist gewissermaßen die Übergangszone zwischen den arktischen Eisgebieten und dem nördlichen Nadelwald, der TAIGA. Baumlos, aber nicht ohne Vegetation. Moos, Flechten, Gräser, Kräuter und kleine Sträucher bedecken den Boden.Und alle Pflanzen müssen sich beeilen mit dem Wachstum, denn die vegetative Phase von 2-3 Monaten ist sehr kurz, trotz der vielen Sonnenstunden im Sommer. 

Das Fischerdorf mit Traumstrand und Schiffsfriedhof. Relikte aus einer längst vergangenen Zeit.

 

Die wilde Küste der Barentssee:

Faszinierend wie das Meer die Steine zu Kugeln geformt hat.

Rotkäppchen vor Eismeer.                          Der einzige Laden weit und breit, aber gut sortiert.

Auf der Rückfahrt zeigt sich das Fischerdorf und der Schiffsfriedhof nochmal von seiner "Sonneseite"

Spät am Abend kommen wir zurück und müssen noch das Hotel wechseln. Die Stadt ist voll russischer Touristen, die den Mittsommer hier verbringen. Die einzige Alternative für uns heißt "Hostel". "Hostel" stimmt schon mal nachdenklich, aber "Russisch Hostel in Murmansk" ist das ultimative Erlebnis. Ich kann es nicht beschreiben und ihr möchtet es auch nicht wissen ......  

Dafür lassen wir es beim Abendessen im "Tundra" Restaurant nochmal so richtig krachen. Ist schließlich unser letzter Abend in Russland. 

Und unser "Hostel" trinken wir uns schön ..............

 

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Dienstag, 18.06.2019 Murmansk - Kirkenes Norwegen

Die Strecke von Murmansk zur norwegischen Grenze gleicht einer Festung. Es ist die NATO Aussengrenze am arktischen Ozean. Die 200 km bis Norwegen führt uns an militärischen Sperrgebieten vorbei. Kilometerlange Zäune mit Stachedrahtkronen und Warnschildern. Alle paar hundert Meter stehen Metallmasten mit modernsten Kameras und Scheinwerfern ausgerüstet. Garnisonen, Panzer und Soldaten demonstrieren einen riesigen Truppenplatz um die wichtigste nukleare Waffenkammer Russlands in der Arktis zu beschützen. Hier an der eisfreien Küste der Kola Halbinsel ist der größte Teil der russischen Nordflotte stationiert. Fotografieren ? Keine gute Idee. Die Altenative: Ein schöner Krüppelbirkenwald.

Doch es gibt noch etwas in dieser Ecke der Welt was mich auch persönlich betrifft und bewegt. Es ist lange her ......... und es war Krieg. 

Die Eismeerfront des 2. Weltkriegs war eine mehrjährige Frontlinie zwischen der deutschen Wehrmacht und der sowjetischen Roten Armee im Großraum Russland, Finnland und Nordnorwegen. Im Sommer 1941 begann hier die Offensive der deutschen Wehrmacht gegen Murmansk. Mit den Unternehmen "Silberfuchs, Polarfuchs, Platinfuchs und Rentier" sollte die  deutsche  Armee ihr Primärziel , die Einnahme der Hafenstadt Murmansk, vollenden. Wir alle kennen den Ausgang dieses irrsinnigen Unterfangens.

Der Weg zur norwegischen Grenze ist gesäumt von Kriegsdenkmälern jeglicher Art. Auch die Verteidigungslinie der Russen, die nie ein deutscher Soldat überschritten hat, ist markiert. Hier,  in der Gegend von PETSCHENGA, vormals PETSAMO, verbrachte mein Vater einige Monate im Kriegsdienst bei der Luftwaffe. 

Blick auf Petschenga, heute eine reine Garnisonsstadt.

Kriegerdenkmal in der Stadt und der gleichnamige Fluss. 

Der Grenzübertritt ist völlig problemlos und schnell geschafft. Noch 15 km und wir sind in Kirkenes. Seit diesem Zeitpunkt nennen wir den Ort nur noch KIRKENEST! Betonung auf dem T! Das billigste Hotelzimmer ist doppelt so teuer wie in St. Petersburg im feinen Hotel, der Besitzer ist Chinese, das angeschlossene Restaurant nennt sich Shanghai, um 17 Uhr ist alles dicht, die Cafés schließen, es ist keine Menschenseele auf der Straße, wie in einer Geisterstadt. In der einzigen Kneipe die geöffnet hat bestellen wir ganz unbedarft ein Glas Wein und ein Bier und zahlen dafür 19.80 Euro. Das Restaurant mit dem vielversprechenden Namen "Surf and Turf" serviert Pizza, Burger oder Tacos zum Preis von "King Crabs". Wir sind leicht irritiert und ziehen uns in unser 10 Quadratmeter großes Apartment zurück. Hier soll der Wendepunkt der Hurtigrutenschiffe sein? Es ist vielleicht das erste Mal dass wir uns ein paar Kreuzfahrer im Städtchen wünschen, aber es liegt heute kein Dampfer im Hafen. 

 

Dafür sehen wir das norwegische Spionageschiff "Marjata", offiziell als Forschungsschiff unterwegs und 2 russische Fischtrawler, die mit riesigen Schleppnetzen, Reusen und russischer Besatzung für die Norweger den Fisch - und King Crab Fang in der Barentssee erledigen. Aber auch dort keine Menschenseele und wir können ungeniert alles betrachten und fotografieren. 

Dann gibt es da noch die große Attraktion des Hurtigrutenhotels. Mit dem Schlauchboot auf Crabfang gehen und dann den eigenen Fang verspeisen. Für 290.- Euro, ausgerüstet wie Marsmenschen um der wilden See zu trotzen, geht es ab ins Eismeer.

So soll dann das Ergebnis aussehen. 

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Mittwoch, 19.06.2019 Dem Hungertod nahe - oder - ab nach Finnland.

Früh um 8.30 hat sich in dem Städtchen seit gestern Abend nichts verändert. An der Rezeption ist kein Chinese zu sehen, es gibt kein Frühstück. Im ganzen Ort hat kein Café, kein Supermarkt , absolut nichts geöffnet. Ab 10 Uhr frühestens, heißt es. Auch auf dem Weg zur EU Grenze gibt es keine einzige Möglichkeit an ein Frühstück zu kommen. Dem Hungertod nahe reisen wir nach Finnland ein und werden gleich mal ordentlich begrüßt. 

  

Ein paar Kilometer weiter und wir sind gerettet. Eine Fischräucherbude im Lappland Stil zeigt sich am Wegesrand und hat auch noch geöffnet. Ein Festmahl: Weißfisch aus dem Inari See und heißer Tee in der kalten Bude. Das ist Finnisch Lappland - hier bleiben wir.

Noch 150 km durch traumhafte Landschaft und wir sind am INARI See. Er ist der größte See Lapplands mit mehr als 3000 Inseln. Der Ort selbst ist die Hauptstadt der Samen in Finnland und der Sitz des finnischen Samen Parlaments. Das fantastische Museum SIIDA zeigt hervorragend aufgearbeitet und ohne große Folklore die Geschichte und die Kultur der Samen. Sie sind das einzige indigene Volk in Lappland und in der gesamten Europäischen Union. Sie lebten schon in der Region lange bevor es Staatsgrenzen gab. Es gibt noch ungefähr 9000 Samen in Finnland.

Der INARIJÄRVI im Mittsommer um Mitternacht.

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Donnerstag, 20.06.2019 Zum Mittsommer nach Kemijärvi

Der Mittsommer rückt näher und wir wurden schon von Roland vorgewarnt dass dies einer der wichtigsten Nationalfeiertage in Finnland ist, der Beginn des Sommerurlaubs der Finnen und ein gewisser Ausnahmezustand im Lande herrscht.

JUHANNUS wird der längste Tag des Jahres genannt. Johannisfeuer und Saunabaden gehören zu den wichtigsten Traditionen des Mittsommerfestes. Meistens wird es im Kreis von Freunden und Familie im Sommerhaus, dem MÖKKI gefeiert. Die Mythologie der Mitternachtssonne ist ein wichtiger Teil finnischer Folklore. Die finnischen JUHANNUS Traditionen sind uralt und verwurzelt. Eine alte Legende handelt von einem Mädchen, das sieben verschiedene Blumen sammelt, um sie unter ihr Kopfkissen zu legen - damit sie von ihrem Zukünftigen träumt. Oder die großen Feuer wurden entfacht um die bösen Geister fernzuhalten und ein gute Ernte einzufahren. All das sind Rituale die bis heute andauern. 

Für uns bedeutet das, rechtzeitig eine Unterkunft suchen und eventuell Verpflegung besorgen, denn es geht nichts mehr hier im ländlichen Finnland. Alles ist geschlossen - sogar LIDL in "Kemijärvi". Hier haben wir uns einquartiert, in Kemijärvi, in einem wunderschönen Holzhaus direkt am See, mit Sauna und kleiner Küche. Von der Besitzerin wurden wir schon angewiesen wie das morgen ablaufen soll. Ich muss Blumen pflücken und  mir einen Kranz winden. Dann müssen wir in die holzbefeuerte  Sauna gehen, uns mit Birkenzweigen verprügeln und in den See springen. Um 20 Uhr beginnt die eigentliche Feier, mit Feuer, Musik und Tanz auf einem Platz vor dem Ort. Allerdings ist die Wettervorhersage extrem schlecht. Es ist Regen angesagt, den ganzen Tag. Wir werden sehen.

 Die Fahrt vom Inari See nach Kemijärvi war wunderschön. Teilweise befanden wir uns 350m über Meereshöhe. Für Lappland fast schon alpine Verhältnisse. 

Auf dem Weg, in SODANKYLÄ, gibt es eine alte Holzkirche aus dem Jahr 1689. Sie ist eines der wenigen Gebäude in Lappland die den "Verbrannte Erde" Rückzug der Nazis überlebt haben.

  

Ein Blick in die Wetterkarte genügt und wir beschließen morgen nicht zu fahren, sondern den Mittsommer hier in UNSEREM momentanen Sommerhaus zu verbringen. Zwar ohne Mitternachtssonne, aber ansonsten mit allem was dazugehört.

 Unser Haus.

 

Unser Grillplatz und unsere Sauna.

Unser Boot und unser Steg.

Unser "INTERIOR" Design. Was wollen wir mehr am längsten Tag des Jahres. Wenn wir Glück haben bessert sich das Wetter gegen Abend und wir können noch zum Sonnwendfeuer am Rande des Städtchens.

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Freitag, 21.06.2019 Mittsommer

Mittsommer - und wir mitten drin. Mit dem "Midsummer Night's' DREAM" hat es nicht ganz geklappt, aber wie ich schon beschrieben habe, machen wir das Beste draus. 

Zuerst mal "Shoppen"! Der ALKO(HOL) Laden ist unsere erste Anlaufstation. Er schließt um 12 Uhr.

Dann in den Supermarkt - er schließt um 15 Uhr. Ein paar Schüler bessern sich das Taschengeld etwas auf und verkaufen glutenfreien Schokoladenkuchen. Selbstverständlich schlagen wir zu.

Alle Restaurants und Cafés sind schon seit gestern Abend geschlossen. Lieber Roland, wir danken dir für die Vorwarnung, es hätte sonst katastrophale Auswirkungen auf die "Midsummer Harmony" gehabt. 

Um 16 Uhr weiht uns die nette Besitzerin des Gästehauses in die Geheimnisse der finnischen Saunakultur ein. 

 

Falls wir etwas nicht begriffen haben, gibt es alles nochmal in schriftlicher Form. Ein Mitsommerfeuer im Ruheraum ist auch schon entzündet.

Die nun folgenden Bilder sind für Jugendliche unter 18 Jahren nicht geeignet :

 

Nördlich des Polarkreises muss er sein : Der legendäre Sprung ins kalte Wasser.  Nach der Sauna gar kein Problem.

19 Uhr - das Fischbuffet ist eröffnet: Hering , Weißfisch und als ersten Gang eine Lachs-Dill Suppe. Dazu  Roggenbrot, saure Sahne und Gurke. Getränke wie üblich: Wein für mich, Bier für Jürgen. 

 

Und dann - spät in der Mittsommernacht erleben wir doch noch den "Midsummer Night's Dream.

 

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Samstag, 22.06.2019 Der Bärenflüsterer und "Das stille Volk"

Noch exakt eine Woche bis zur Hochzeit und wir sind im Zeitplan. Die Straßen sind wie leer gefegt, Es scheint  nur die Rentiere machen einen Mittsommerausflug auf dem Asphalt. Es sind mehr Tiere auf der Straße als Autos.

Wir fahren vorbei an RUKA, einem Wintersportzentrum und Austragungsort internationaler Wintersportkämpfe. Seit 2002 findet hier der Weltcup Auftakt im Skilanglauf und in der nordischen Kombination Ende November statt. Bis Anfang Mai ist hier Wintersport möglich.

Wir bewegen uns auf der VIA KARELIA, die knapp 1000 km durch den Osten Finnlands verläuft.

 

Ich hatte von einem "Bärenflüstere" gelesen, der hier auf der Strecke in den Wäldern Kareliens eine Art Auffangstation für Bären eingerichtet hat. Es ist Sulo Karjalainen, ein mittlerweile alter Herr, der vor 27 Jahren einen  Bärenwaisenknaben aufgenommen und großgezogen hat. Es kamen noch einige junge Bären dazu, die bei Verkehrs - und Jagdunfällen zu Waisen oder verletzt wurden. Das Problem ist dass sie nach so viel Jahren weitgehend domestiziert sind nicht mehr in der Wildnis überleben können. Anfänglich bekam er noch Zuschüsse von der Regierung, die aber irgendwann ausblieben und er finanziert sein Projekt nun durch Eintrittsgelder, einem kleinen Café und Führungen. Er selbst geht mit den Bären hinaus in die Wälder, zum Fischen und zu Spaziergängen. Es gibt ein Video das solche Spaziergänge zeigt. Er voran, die Bären trotten hinterher, knabbern an den Beeren und keiner kommt auf die Idee sich selbstständig zu machen und auszubüchsen. Für uns und die anderen Besucher sind die Tiere natürlich nur in ihren Gehegen in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten. Es ist mittlerweile eine Art Kleinzoo mit 8 Tieren geworden, der sich durch Eintrittsgelder und Spenden finanziert - aber das Erlebnis ist jeden Euro wert.

 

Unser digitaler Reiseleiter für Finnland, mein Bruder Roland, der uns täglich Streckentips und Wettervorhersagen per WhatsApp zukommen lässt, hatte uns schon vorgewarnt: Sie stehen einfach so da, still und stumm am Straßenrand und blicken alle in dieselbe Richtung. "Das stille Volk". An die Tausend sind es. Eine Installation des Künstlers Reijo Kela, ein berühmter finnischer Tänzer und Choreograph. Das "Stille Volk" steht hier  seit 1994. Die Torfköpfe werden zweimal im Jahr aufgefrischt und neu eingekleidet. Das Material der Köpfe kommt direkt von der Wiese, die Kleidung aus der Kleidersammlung. Eine Jugendwerkstatt ist für die Instandhaltung verantwortlich und ist mit Begeisterung dabei. Erschaffen sie doch bei jedem Wechsel neue Figuren und ein neues Bild des Volkes. 

Sind Parallelen beabsichtigt? Sollen es Finnen sein, die ja als schweigsam gelten. Oder ist es eine Mahnung an den Krieg? Eine Erinnerung an alle die hier im Krieg gefallen sind? Hier in Suomussalmi gab es 1939 eine der schlimmsten Schlachten im Winterkrieg zwischen Finnland und der Sowjetunion. Sind es die Vergessenen oder die Außenseiter? 

Wenn das Volk entkleidet wird bleiben 1000 karge Kreuze stehen. Ein Hinweis auf die Intention des Künstlers? Der geistige Vater gibt keine Antwort darauf. Jeder soll seine eigenen Schlussfolgerungen ziehen.

Gespenstisch wird es wenn der Wind kräftig weht und die "armlosen Ärmel" der Blusen und Hemden sich bewegen als würden sie dir zuwinken oder dich anfassen wollen. Sehr schräg!

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Sonntag, 23.06.2019 Durch das Land der Bauern und der Seen

"Wo sind all die Finnen hin - wo sind sie geblieben ......? Sie sind verschwunden in den Wäldern und Seen, in den Sommerhäusern und in ihren Booten. Wir fahren durch Nordkarelien, dem Land der Bauern und suchen Finnen. Die Gegend ist generell dünn besiedelt, die Wiesen sind gemäht und es ist Sonntag. 

  

  

Doch selbst in der Haupstadt Joensuu ist "High Noon" Stimmung am Sonntag Nachmittag. Die Straßen leer, die Lokale geschlossen. Es kommt eben alles zusammen: Mittsommerwochenende, Urlaubsbeginn und Sonntag. Zwei Restaurants haben geöffnet - wir wählen das kleinere Übel : Mexikanisch. Die Alternative wäre Burger King. 

 

Doch am nächsten Morgen scheint wieder etwas Normalität einzukehren in das öffentliche Leben.  Ich höre schon früh um 8 Uhr vor unserem Hotelzimmer emsiges Treiben auf dem Marktplatz. Sonnenschirme werden ausgefahren, Kioske geöffnet und Marktstände aufgebaut. Frühaufsteher holen sich den ersten Kaffee an der Bude und genießen die Sonne. Der "Spuk" ist vorbei. 

 

Finnland wird das Land der tausend Seen genannt. Das ist eine dramatische Untertreibung. In Wirklichkeit sind es 188.000. Doch hier in der Region "Lakeland", die wir jetzt durchfahren, hat man den Eindruck es gibt generell mehr Wasser als Land. 

  

Sommerhäuser , manche klein und bescheiden, andere üppig und luxuriös. Wobei ich nicht weiß ob sie vielleicht doch ständiger Wohnsitz sind.

  

Auf dem Weg nach "Savonlinna" fahren wir einen kleinen Umweg um das einzige orthodoxe Männerkloster Finnlands zu besuchen. Das "Uusi Valamo" war ursprünglich auf der Inselgruppe Walaam im Ladogasee in Russland beheimatet. Durch Krieg und Umsiedlung entstand hier so etwas wie ein Ableger mit momentan 8 Mönchen. Das Kloster hat sich zu einem Pilgerzentrum entwickelt und lässt alle Konfessionen an der orthodoxen Tradition teilhaben. 

Wir kommen gerade rechtzeitig zur täglichen Prozession um 12 Uhr Mittags.

 

 

 

17,5 km weiter das einzige orthodoxe Frauenkloster mit 8 Nonnen und einer Novizin. Es wurde erst 1946 von aus Russland vertriebenen Nonnen gegründet.

 

Die Nonnen haben hier ein kleines Paradies geschaffen. Sie sind Selbstversorger und bieten in einem angeschlossenen Gästehaus Unterkünfte für Frauen die so wörtlich : Angebote zur Entfaltung, Einübung und Pflege des geistlichen Lebens suchen. Auch hier sind alle Konfessionen willkommen.

  

 

Humor, handwerkliches Geschick und Geschäftssinn zeigen die Klosterinsassinen : Sie verkaufen selbstgebastelte Mönche und Patriarchen als Souvenir. 

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Montag, 24.06.2019 Savonlinna

Savonlinna ist bekannt für seine Burg "Olavinlinna", die auf einem Fels mitten im See Saimaa erbaut wurde und berühmt für die Opernfestspiele, die hier jährlich im Juli abgehalten werden. Es sind Gastauftritte renomierter Opernhäuser aus dem Ausland, wie zum Beispiel der Mailänder "Scala", die jedes Jahr hier vertreten ist. Ein fester Bestandteil ist auch ein Gesangswettbewerb, der auf Talentsuche nach einer oder einem Sänger mit Potential zum Opernstar ist. Dies alles findet in der mittelalterlichen Burg statt, mit einer angeblich einzigartigen Akustik.

 

Deshalb hat die Stadt natürlich eine gute touristische Infrastruktur. Es gibt Eine Uferpromenade, jede Menge Terassenrestaurants am See, Dampferfahrten um die Stadt und die Inseln. Eine Besonderheit ist die Tatsache dass wegen starker Strömungen in diesem Teil des Sees das Wasser um die Burg nie gefriert. Das half früher der Verteidigung - so konnten im Winter feindliche Angriffe nicht über den zugefrorenen See erfolgen. 

 

 

Die kleinen Fischlein kommen direkt aus dem See und werden unpaniert kross gebraten . "Muikku" werden sie genannt. Das sind kleine Maränen und gehören der Familie der Lachsfische an.

 

Das Naturkundemuseum.                         Zwei Leuchttürme oder ein vergessener Mittsommer?

 

Unser Hotelli - Zimmer mit Seeblick.            Wildgänse mit Nachwuchs.

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Dienstag, 25.06.2019 Zurück in die Wildnis

Ein Traumtag soll es heute werden und wir entscheiden uns nochmal in die Wildnis Finnlands abzutauchen. Doch nicht in Karelien, sondern an die Südküste, ans Meer, an den Finnischen Meerbusen. 

35 km nach Savonlinna fahren wir durch die sogenannte "Nationallandschaft Finnlands, dem Punkaharju Naturschutzgebiet. Das berühmte daran ist der Os! Ein Hügelrücken, 7 km lang und 25 m hoch zwischen zwei Seen. Er entstand vor 10000 Jahren während der letzten Eiszeit. Ein paar Kilometer konnten wir noch befahren. Aber auch ohne Hügelrücken ist die Landschaft ein Klassiker für Werbeprospekte und Postkarten.

 Unsere zweite Station ist "Imatra". Die Stadt nahe der russischen Grenze war früher der "Darling" der russischen Aristokratie. Eine der ersten "Touristinnen" war Katharina die Große. Sie verbrachte hier Wochen mit ihrer Entourage um mit Ihnen die reißenden Stromschnellen des Vuoksi und die herrliche Landschaft zu bewundern.

Nochmal 40 km weiter und wir besuchen einen Skulpturenpark der besonderen Art. Hunderte von lebensgroßen Skulpturen und Figuren säumen im Wald bei Parikalla einen Pfad durch dicht bewachsenes Gelände. Skurrile Gestalten, Tiere, Fabelwesen - 450 sollen es sein. Der größte Teil der Figuren sind in unterschiedlichen Yoga Positionen dargestellt. Sie sind das Werk des finnischen Künstlers Veijo Rönkkönen. Er platzierte all seine Statuen in der Nähe seines Hauses und keine hat je diesen Ort verlassen. Jeder konnte sie besichtigen, aber er kam nie aus seinem Haus um mit den Besuchern zu sprechen. Er liebte es alleine zu sein. Er starb 2010 hier, inmitten seiner erschaffenen Figuren.

    

   

Sein Wunsch war es alles was er geschaffen hat mit Sand zu überdecken und für die Nachwelt zu konservieren. Um dann irgendwann, nach tausend Jahren vielleicht, wiederentdeckt zu werden und die gleiche Berühmtheit zu erlangen wie die chinesische "Terrakotta Armee". Doch die Verwalter seines Erbes hielten sich nicht an seinen Wunsch. Sie wollen in hier und jetzt würdigen und sein Andenken bewahren.

Weiter, auf dem Weg nach Südwest kommt das erste Stück Autobahn - seit Wochen. 80 Stundenkilometer, höchstens mal 100 war die Regel während der gesamten Fahrt durch Finnland. Und - Jürgen hielt sich strikt daran - es fiel ihm schwer bei den kaum befahrenen Straßen. Denn, alle paar Kilometer, selbst in der größten Einsamkeit, ragen gut sichtbar stationäre Blitzkästen empor. "Schießen aus dem Hinterhalt" so wie  in Deutschland wird hier scheinbar nicht praktiziert. Aber wer weiß ......... In Finnland werden die Geldstrafen der Verkehrsdelikte nach Tagessätzen, abhängig vom Verdienst berechnet. Das kann dann schon mal je nach Schwere des Vergehens ein Monatsgehalt, in unserem Fall eine Monatsrente sein. Zu riskant bei unserem Reisebudget.

Dann dieser Wegweiser ......  doch wir haben noch einen Tag Zeit und biegen ab, nach Süden .

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Mittwoch, 26.06.2019 Unter Wildgänsen und Schwänen.

16 Kilometer vor unserer Unterkunft ist der letzte Supermarkt. Heute ist Selbstversorgung angesagt. Für uns ungewöhnlich ist die Tatsache dass es dort zwar Bier gibt, aber keinen Wein oder Hochprozentiges. Dafür braucht mein einen ALKO Shop. Und den gibt es weit und breit nicht. Wir versorgen uns also mit Lachs, Hering, Gurkensalat, Brot und Bier. Die Offroad Anfahrt ist spektakulär. Der Wald ist übersät mit riesigen Granitbrocken.

  

Teilweise bemoost und zugewachsen, liegen sie da als wären sie eben vom Himmel gefallen. Hier, am Ende des Waldweges liegt " A litte piece of finnish paradise" , so sagen es zumindest die Besitzer. Es ist ein Anwesen, naturbelassen, mit kleinem See, Saunahäuschen, Booten und einem kleinen Sandstrand. Wir sind nämlich wieder an der Ostsee angekommen. Vielmehr an Finnischen Meerbusen, in den diese kleine Halbinsel hineinragt. Die jungen Besitzer eröffnen eigentlich erst im Juli, deshalb auch keine Verpflegung. Übernachten können wir hier, Abendessen haben wir mitgebracht und so sitzen wir alleine mit Wildgänsen und Schwänen in der Abendsonne. Und irgendwann wird es dämmrig und sogar fast dunkel. Wir sind wieder auf dem 60sten Breitengrad angekommen. 

   

 

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Donnerstag, 27.06.2019 Überpünktlich zur Hochzeit in Helsinki.

Was tun? Wir wären gerne noch einen Tag im Paradies geblieben und Jürgen hätte endlich mal die Angel auswerfen können, so wie alle Finnen das tun wenn sie am Wasser sind. Doch für Donnerstag, unserem eigentlich letzten Fahrtag, ist Regen angesagt. Wir beschließen dass es besser ist in Helsinki bei Regen spazieren zu gehen , als bei Regen unseren letzten Tag auf dem Motorrad zu verbringen. Es wäre auf der ganzen Tour der ERSTE gewesen. Und so fahren wir Mittwoch schon in die Hauptstadt. Unser Vermieter gibt uns noch einen heißen Tip mit auf den Weg. Wir nehmen nicht die Autobahn, sondern fahren einen Teil der "King's Road". Sie war seit dem Mittelalter eine der ältesten skandinavischen Verkehrsrouten. In Finnland verläuft sie entlang der Südküste von Turku bis nach St. Petersburg. Heute ist sie eine Verbindung zwischen kulturhistorisch bedeutsamen Orten in Südfinnland. 

Ein Beispiel : LOVIISA  

Historische Häuser und das alte Fort.

  

Außerdem wurde uns noch als Herz gelegt die Superlativen der Südküste abzufahren. Die südlichste Ortschaft, der südlichste und der kleinste  Gemischtwarenladen Finnlands. Dafür setzen wir mit der Fähre über und fahren über einige mit Brücken verbundene Inseln bis ans südlichste Ende, nach Söderby. 

     

Und tatsächlich, ein echter Gemischtwarenladen, hervorragend sortiert und kundenfreundliche Öffnungszeiten. Ich denke mal ein wahrer Segen für die südlichsten Bürger Finnlands. 

Noch ein Stündchen Fahrt und wir erreichen CITY LIMIT HELSINKI.

Hier werden wir nun die Spuren der Wildnis beseitigen, uns so gut es geht aufhübschen und hoffen dass sich die gute Wettervorhersage für die Hochzeitsfeier am Samstag bewahrheitet. 

Aus Datenschutzgründen muss ich natürlich das Brautpaar um Erlaubnis bitten, Bilder vom schönsten Tag ihres Lebens zu veröffentlichen. Ich denke das wird kein Problem sein .......

Schaut einfach mal wieder rein.

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Sonntag, 30.06.2019 Hochzeit Robert und Senni

Bei typisch finnischem Wetter - sonnig und warm - feiern wir am Samstag Nachmittag die Hochzeit von Robert und Senni im Kreis von Verwandten und Freunden, etwa 100 an der Zahl.

 

 

In einem wunderschönen Ambiente ...........

  

Mit äußerst netten Gästen ...........

und einem wunderbar entspannten Brautpaar.

  .                                 

So haben wir das Ende einer 6-wöchigen Motorradtour noch nie genossen. Es war in jeder Hinsicht ein wunderbares Fest.

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Dienstag, 02.07.2019 Über die Ostsee zurück nach Erlangen

Pünktlich stehen wir um 13 Uhr am Montag am FINNLINES Terminal im Hafen von Helsinki.

 

Pünktlich beginnt der Check-in und pünktlich legen wir ab Richtung Travemünde. 29 Stunden werden wir nun einen Kreuzfahrt Schnupperkurs ablegen. So lange dauert die Fahrt durch die Ostsee.

   

Dinner Buffet, Brunch Buffet, Lunch Buffet und nochmals Dinner Buffet. Selbst  Jürgen ist dieser Herausforderung nicht gewachsen. 

Travemünde empfängt uns mit einer schönen Abendstimmung und wir sind froh wieder  2 Räder unter uns zu haben. 

 

Und - es wird dunkel - so richtig dunkel !

Wir vermissen sie, die langen hellen Nächte des Mittsommers in Russisch Karelien, am Eismeer und in Finnisch Lappland. Die Reise ist zu dem geworden,  was ich zuvor so einfach behauptet und mir gewünscht habe - "A Midsummer Night's Dream." 

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